Warum festverzinsliche Wertpapiere trotz Sicherheit gefährlich sein können

Festverzinsliche Wertpapiere bilden einen Bestandteil der meisten Portfolios, doch es besteht ein wichtiger Unterschied zwischen Nominal- und Realzins oder anders gesagt Einnahmen und Gewinnen. Erfahre daher jetzt in der Wertpapiere-Erklärung, ob und inwiefern ein Rentenpapier für dich die richtige Lösung ist!

Buffet's qoute by Robocash                                                                           Photo by Maryna Yazbeck on Unsplash 

Festverzinsliche Wertpapiere sind insbesondere für sicherheitsorientierte Investoren interessant. Denn durch eine solche Schuldverschreibung mit fester Verzinsung erhält man eine relativ planbare Rendite. Vor allem bei steigenden Zinsen werden sie noch interessanter. So beträgt die Umlaufrendite heute wieder 1,08 % anstelle von Negativwerten wie in den vorherigen Jahren. Dadurch können verzinsliche Wertpapiere profitieren, wie die Anleihe als Beispiel.

Es gibt jedoch auch noch eine Vielzahl weiterer Varianten. Deshalb solltest du mit ihren Besonderheiten vertraut sein, um keine bösen Überraschungen zu erleben. Lies jetzt den folgenden Beitrag, um bestens vorbereitet zu sein!


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Was sind festverzinsliche Wertpapiere einfach erklärt?

Festverzinsliche Wertpapiere werden von Staaten, Kommunen, Unternehmen und Banken als Staats- & Unternehmensanleihe, Schuldverschreibung, Pfandbrief oder anderweitiges Wertpapier herausgegeben. Gemeint sind damit Geldanlagen mit gewöhnlich einer festen Verzinsung über meist eine fixe Laufzeit von bis zu 30 Jahren oder länger. Je nach ihrer Art unterscheiden sie sich etwas in ihren Konditionen. Nähere Details dazu erfährst du etwas weiter unten im Beitrag.
Was sind festverzinsliche Wertpapiere einfach erklärt by Robocash
Welche Bedeutung hat eine Anleihe oder haben Obligationen?

Eine Schuldverschreibung entsteht aus dem Wunsch, bestimmte Investitionen oder Verpflichtungen zu finanzieren. Wie beispielsweise im Falle der Enertrag-Anleihe durch Anleihen Windparks in Deutschland errichtet werden. Somit kann durch Obligationen neues Kapital im Rahmen einer Fremdfinanzierung aufgenommen werden.

Als Ausgleich für das Risiko eines möglichen Zahlungsausfalls erhält der Gläubiger dafür gewöhnlich regelmäßige Zinszahlungen. Diese erfolgen meist jährlich, können aber auch halbjährlich oder in ein einem anders definierten Rhythmus stattfinden.

Wie funktionieren Anleihen?

Eine festverzinsliche Anleihe funktioniert ähnlich wie ein Kredit. Jedoch wird dafür keine Bank benötigt, da die Finanzmittel über die Kapitalmärkte aufgenommen werden.


Allerdings stellt sich in vielen Fällen dann die Frage, warum sie es nicht direkt über die einfachere Methode der Banken tun.

Die Höhe der Schuldverschreibungen wird zuvor durch den Emittenten des Bonds festgelegt. Anschließend werden diese als Teilschuldverschreibung über die Finanzmärkte angeboten. Dabei werden sie meist in 1.000 Währungseinheiten pro Wertpapier herausgegeben. Ein Investor kann die Anleihe zum Nennwert zeichnen oder anders gesagt erwerben.

Zinsen und Kreditwürdigkeit des Emittenten

In diesem Zusammenhang spielt die Bonität (Kreditwürdigkeit) des Emittenten eine große Rolle. Bestimmt wird sie durch die finanzielle Zuverlässigkeit des Schuldners. Je besser diese ist, desto niedriger sind die Zinsen und somit auch Renditen.

Vorgenommen wird die Einstufung der Kreditwürdigkeit von sogenannten Ratingagenturen. Dazu gehören vor allem Moody‘s, Fitch und Standard&Poor’s. Darüber hinaus werden die Zinsen von der Zinsentwicklung und der Laufzeit bestimmt. Aber es gibt auch noch bei Sonderformen weitere Faktoren wie Unternehmensgewinne, welche die Rendite beeinflussen.

Kauf und Aufbewahrung von festverzinslichen Wertpapieren

Sie können entweder direkt über die Börsen oder aber über einen aktiven oder passiven Fond erworben werden. Angegeben werden die Kaufpreise in Prozent des Nennwertes. Notiert das Wertpapier beispielsweise unter 100 %, so erhält man einen Rabatt. Im Umkehrschluss bedeutet eine Anleihe mit einem Kaufpreis von über 100 % eine entsprechende Reduktion der Rendite.

Aufbewahrt werden die festverzinslichen Wertpapiere im Depot bei deiner Bank. Sie können dabei während der Öffnungszeiten der Börsen jederzeit gehandelt werden. Während es früher noch ein analoges Geschäft mit einer Urkunde war, wird es heute mittlerweile digital abgewickelt.

Dafür dient eine digitale Stelle, welche auch als Clearing bekannt ist. Somit werden heutzutage also elektronische Nachweise stattdessen ausgegeben. Meist werden nach Ablauf des Anlagezeitraums der Nennwert der Schuldverschreibung sowie die Zinsen an den Gläubiger überwiesen.

Wertpapiere-Beispiel für eine Berechnung der Anleiherendite

Um dir die Funktionsweise einer Standardanleihe noch einmal zu verdeutlichen, soll das folgende Schuldverschreibungs-Beispiel dienen:

Angenommen, du erwirbst eine Anleihe mit einem Zins von 2 % und einer Laufzeit von 3 Jahren zu einem Kurs von 96 % des Nennwertes. Bei einem Anlagevermögen von 1.000 € erhältst du folglich in den zwei Jahren jeweils 20 € Rendite (2 % Zins) plus 40 € (4 % unter Nennwert) durch den Kursgewinn. Somit hast du also eine jährliche Rendite von 30 € (60 € Gesamtrendite / 2 Jahre). In diesem Falle betrug die tatsächliche Rendite also 3 % pro Jahr.


Arten festverzinslicher Wertpapiere

Möchte man eine Inhaberschuldverschreibung kaufen, so sollte man sich zunächst mit ihren Unterschieden vertraut machen. So kommen auch schnell die Fragen auf: Was ist eine Inhaberschuldverschreibung? Was sind Unternehmensanleihen und was bedeutet Eurobonds?

Die Schuldverschreibung oder Inhaberschuldverschreibung einfach erklärt, bedeutet ein festverzinsliches Wertpapier. So können es Anleihen, Rentenpapiere oder Schuldschreibungen sein. Meistens werden sie von Staaten herausgegeben. Jedoch gibt es auch welche für Bundesländer und Unternehmen. Zu den Beliebtesten gehören Unternehmens-, Staats- und Wandelanleihen.

Das Angebot an Anleihen ist sehr vielfältig und so gibt es auch unterschiedliche Klassifizierungsmethoden. Man kann sie nach Emittenten, Konditionen, Verzinsung, Bonität, Risiko, Laufzeit, Rendite und mehr unterteilen.

Die Bekanntesten dabei sind Anleihen und Rentenfonds. Während vor allem Unternehmens-, Staats- und Wandelanleihen von den Investoren bevorzugt werden. Eine Standardanleihe hingegen bietet eine feste Verzinsung während einer zuvor definierten Laufzeit.

Arten von Anleihen

  • Gewöhnliche Anleihen: Fester Zins über gesamte Laufzeit
  • Floater: Mit variablen Zinsen abhängig von Geldmarktzins wie EUROIBOR und LIBOR
  • Wandelanleihen: Werden später in Aktien oder Nominalbetrag ausgezahlt
  • Nachrangige Anleihen: Werden bei Insolvenz nachteilig behandelt und erhalten mehr Zinsen
  • Gewinnbasierte Anleihen: Feste oder variable Ausschüttungen, teilweise beruhend auf Gewinnen
  • Bunny Bonds: Zinsen werden reinvestiert in Anleihe gegen Wiederanlagerisiko
  • Hybrid-Anleihen: Hohe Zinsen mit unsicherer Laufzeit und Zinszahlungsänderungen
  • Pfandbriefe: Kaufen Banken zur Refinanzierung von Krediten mit Immobilien als Sicherheit
  • Bundesschatzbriefe: Eine Bundesanleihe kann man von Staaten kaufen
  • Annuitäten-Anleihen: Tilgung in mehreren gleichen Raten

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Differenz zu anderen Wertpapieren

Im Folgenden findest du die Unterschiede von festverzinslichen Wertpapieren zu anderen Geldanlagen im Vergleich. Dabei handelt es sich in der unteren Liste um die Hauptkategorien. So lassen ich diese ebenfalls noch einmal weiter differenzieren und klassifizieren. Entdecke jetzt im Wertpapier-Vergleich die Top-Geldanlagen!

Unterschied von Aktie und Anleihe

Eine Anleihe ist kein Anteilsschein an einem Unternehmen, sondern eine Schuldverschreibung. Daher geben Aktien in der Regel im Unterschied zu Obligationen ein Stimm-, Teilhabe- und Mitgliedsschaftsrecht an der Aktiengesellschaft. 

Auch erhältst du gewöhnlich keine Gewinnbeteiligungen in Form von Dividenden. Im Falle einer Insolvenz erhältst du mit Anleihen im Vergleich zu Aktionären jedoch eher dein Geld zurück. Schließlich handelt es sich anstelle von Eigenkapital in diesem Falle um Fremdkapital. Somit hast du dann also eher eine höhere Chance, etwas von deinem verlorenen Geld zurückzuerhalten.

Zertifikate und Optionsscheine im Vergleich zu Anleihen

Ein Zertifikat wird von einem Finanzinstitut herausgegeben und wird auch als Derivate bezeichnet. Dieses kommt von dem Lateinischen „derivare“ und bedeutet „ableiten“. Gemeint ist damit ein Partizipieren an der Kursentwicklung, ohne jedoch das zugrunde liegende Asset zu besitzen. Dessen genaue Gestaltung hängt von der individuellen Ausgestaltung ab.

Optionsscheine sind wiederum eine Variante von Zertifikaten und werden ebenfalls von Banken herausgegeben. Jedoch geben sie dir das Recht, dass du zu einem bestimmten Zeitpunkt den zugrunde liegenden Vermögenswert kaufen oder verkaufen kannst.

Durch Derivate kannst du auch an fallenden Kursen verdienen. Jedoch sind diese sogar gegenüber Aktien nachrangig und daher umso mehr im Vergleich zu Anleihen. Deshalb ist im Falle einer Insolvenz dein eingesetztes Kapital stärker gefährdet. Dafür kannst du durch einen Hebel deine Chancen und Risiken auch vergrößern, was bei herkömmlichen Anleihen nicht der Fall ist.


Aktive Fonds und ETFs im Vergleich zu Schuldverschreibungen

Bei Fonds handelt es sich um einen ganzen Korb von Aktien und anderen Vermögenswerten und nicht um Einzeltitel. Somit müssen die Investoren lediglich Fondsanteile anstelle mehrerer Einzelwerte erwerben. Aus diesem Grunde können sie sich besser diversifizieren und Kosten sparen.

Man unterteilt sie dabei in reaktionsstarke, aber teurere, von einem Fondsmanager aktiv verwaltete Fonds. Sowie in passive Verwaltete, welche auch als ETFs bekannt sind. Letzte sind etwas günstiger, aber können dafür nicht so gut auf Marktveränderungen reagieren.

Die Fonds spezialisieren sich dabei meist auf eine Anlageklasse wie beispielsweise sichere Dividendentitel, Anleihen, Immobilien oder unterbewertete Aktiengesellschaften.

Eine Kapitalanlage in eine Fondsgesellschaft wird als Sondervermögen behandelt. Somit ist sie getrennt von der Insolvenzmasse des Finanzdienstleisters. Sollte dein Finanzdienstleister also bankrottgehen, so werden die Geldmittel dabei getrennt betrachtet.

Vorteile und Nachteile von festverzinslichen Wertpapieren

Möchtest du schnell einen Überblick über die wichtigen Faktoren im Zusammenhang mit festverzinslichen Wertpapieren? Dann schau dir jetzt die Vorteile und Nachteile für Anleihen wie Eurobonds an.

Vorteile Nachteile
Höhere Sicherheit als viele andere Wertanlagen Totalverlustrisiko durch Insolvenz des Emittenten
Schnell liquidierbar über Börsen Hohe Kosten bei Emission
Wählbare Laufzeiten Teurer als Renten-ETFs
Planbare Rendite durch regelmäßige
und feste Zinsen
Besonders sichere Anleihen haben
teilweise Negativrendite
Geld-Anleihen bieten große Auswahl je
nach Bedürfnissen
Inflationsgeschützte Anleihen kosten mehr
Bedeutenderes Volumen als der Aktienmarkt  
Investoren können Sicherheiten verlangen
Potenzial durch Kurssteigerungen
durch Kapitalmarkt
Praktische Altersvorsorge über Fonds


Welche festverzinslichen Wertpapiere sich lohnen  

Die meisten Anleger wissen über den Umstand Bescheid, dass sie bei 50 % Verlust wiederum 100 % Rendite für einen Break-even oder anders gesagt einen Kontoausgleich ohne Verlust benötigen. Deshalb ist die Maxime der meisten Investoren, keine Verluste zu machen, was auch an eine Investmentregel anschließt:

 

"Rule Number One: Never Lose Money.
Rule Number Two: Never Forget Rule Number One".

Warren Buffett

 

Beste Staatsanleihen oder Anleihen gibt es nicht, denn diese hängen immer von der Person und den Lebensumständen ab. Weiter noch solltest du die Bonds genausten überprüfen, denn beispielsweise ist die Zinsentwicklung der Bundesanleihen nicht wirklich lukrativ. Mit einem Anleihen-Rechner kannst du dies einmal selbst kontrollieren. Die Verzinsung der Bundesanleihen beträgt nur 0,007 % und abzüglich der Inflationsrate ist sie sogar negativ. 

Nehmen wir einmal als Beispiel eine Investition in Staatsanleihen in Höhe von 30.000 €, eine Inflationsrate von 7,5 % aus Juli 2022 sowie die Zinsen von 0,007 %. Gibt man dies nun in einen Renditerechner für Anleihen ein, so hätte das Geld nach einer Laufzeit von 30 Jahren nur noch eine Kaufkraft in Höhe von 2.899,74 €. Dies entspricht einer Reduktion von 90,33 %.

Wie du siehst, können die als sichere geltenden Anleihen selbst mit einer positiven Rendite Verluste erwirtschaften. Je höher die Rendite allerdings ist, umso größer ist wiederum das Risiko. Beachte in diesem Zusammenhang auch, dass einige Fonds in negativ rentierende Anleihen aus gesetzlichen Gründen investieren müssen.

Versteuerung von Kapitalerträgen

Wenn du mit Anleihen Zinsen oder anderweitige Gewinne durch die Veräußerung verdienst, so musst du diese auch versteuern. Dabei gelten diese als Einkünfte aus Kapitalanlagen, weshalb seit dem Jahr 2009 die Kapitalertragssteuern zuzüglich Solidaritätszuschlags und gegebenenfalls Kirchensteuern anfallen. Somit ergeben sich für festverzinsliche Geldanlagen Steuern von insgesamt 27,82 bis 27,99 %.

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In diesem Zusammenhang hast du einen steuerlichen Freibetrag von derzeit 801 € pro Jahr. Solltest du in einer Ehe leben, so wird dieser verdoppelt und gemeinsam abgerechnet. Ab dem Jahr 2023 soll der Freibetrag dann auf 1.000 € für Alleinstehende und 2.000 € für Ehepartner erhöht werden.

Betragen die gesamten Verdienste weniger als 10.347 € pro Jahr oder 20.694 € in Ehegemeinschaften, so können die Steuern über eine Nichtveranlagungsbescheinigung für bis zu 3 Jahre ganz gestrichen werden.

Aber auch noch mit einem Einkommen unter 16.600 € oder bei Ehen 33.200 € ermöglicht eine Günstigerprüfung eine geringere Steuerbelastung.

Die Besteuerung hängt darüber hinaus auch vom Kaufzeitpunkt ab. Wurden die festverzinslichen Wertpapiere vor dem 31. Dezember 2008 erworben und befinden sich noch innerhalb der Laufzeit, so sind sie nicht steuerpflichtig. Jedoch soll sich dieser Umstand künftig ab einem Anlagevermögen von 100.000 Euro ändern.

Risiken bei der Anlage